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ECGT Richtlinie: Strafen und Bußgelder für Umwelt-Claims

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ECGT Richtlinie: Strafen und Bußgelder für Umwelt-Claims

Greenwashing war lange mit wenig Risiko verbunden. Das hat sich geändert: Die Green Claims Directive 2024/825 droht bei Verstößen mit Strafen von bis zu 5 % des Jahresumsatzes.

Dieser Artikel zeigt, wie die Bußgeldstruktur aufgebaut ist, wer kontrolliert und was für verschiedene Unternehmensgrößen realistisch droht.

Bußgeldstruktur nach ECGT 2024/825

Stufe 1: Verwarnungen und Abmahnungen

Bei ersten Verstößen erteilen nationale Behörden zunächst Abmahnungen. Es fallen dabei noch keine direkten Geldstrafen an — aber Aufforderungen zur Nachbesserung mit Fristsetzung.

Stufe 2: Geldstrafen

Verstoßtyp Bußgeld Beispiel
Einzelner unwahrer Claim 10.000–50.000 € „Bio" ohne Zertifizierung
Mehrere Verstöße 50.000–500.000 € 3+ falsche Claims
Systematisches Greenwashing 500.000 € – 5 % des Jahresumsatzes Strategie mit gefälschten Zertifikaten

Stufe 3: Maximale Sanktionen

Die Höchststrafe liegt bei 5 % des Jahresumsatzes der letzten drei Jahre:

  • Jahresumsatz 1 Mio. € → 50.000 € Bußgeld
  • Jahresumsatz 10 Mio. € → 500.000 € Bußgeld
  • Jahresumsatz 100 Mio. € → 5 Mio. € Bußgeld

Wer überwacht die Einhaltung?

Nationale Behörden

  • Deutschland: Gewerbeaufsichtsamt, Verbraucherzentralen
  • Österreich: RTR, Bundesarbeitskammer
  • Schweiz: Kantonale Behörden und WEKO
  • Frankreich: DGCCRF

EU-Ebene

Die EFTA koordiniert grenzüberschreitende Verstöße. Einzelne Mitgliedstaaten melden Fälle über ein gemeinsames Schnellwarnsystem.

Durchsetzungsschwerpunkte 2024–2026

Intensiv überwacht:

  1. Online-Plattformen (Amazon, AliExpress, Etsy) — automatische Scans auf falsche Claims
  2. Fashion und Textilien — Bio-Baumwolle ohne Zertifikat, „nachhaltige Mode" ohne Messgrößen
  3. Lebensmittel und Bio-Produkte — falsche Herkunftsangaben, Zertifikatsmissbrauch
  4. Beauty und Kosmetik — „natürlich", „bio", „öko" ohne Belege

Weniger intensive Kontrolle (bisher):

  • Maschinenbau (B2B, weniger Greenwashing-Anreize)
  • Software (schwer messbar)
  • Finanzdienstleistungen (noch unterreguliert)

Realistische Bußgeldszenarien

Szenario 1: KMU mit einem falschen Label-Claim

Ein Unternehmen mit 500.000 € Jahresumsatz bewirbt ein Produkt als „zu 100 % recycelt" — der Claim stimmt nicht. Realistisches Bußgeld: 15.000–25.000 €, dazu Anwalts- und Compliance-Kosten von 5.000–10.000 €. Gesamtschaden: 20.000–35.000 € oder 4–7 % des Jahresumsatzes.

Szenario 2: E-Commerce-Plattform mit 100 nicht-konformen Sellern

Jahresumsatz 50 Mio. €, 100 Seller mit falschen Claims — die Plattform hätte prüfen müssen. Bußgeld: 1.000.000–2.500.000 €, maximal 5 % des Umsatzes.

Szenario 3: Richtiger Claim, fehlende Dokumentation

Jahresumsatz 2 Mio. €, der Claim stimmt, das Zertifikat liegt vor — ist aber nicht veröffentlicht. Folge: meist Verwarnung mit Frist zur Nachreichung, Bußgeld von 5.000–20.000 € möglich.

Regionale Kontrollen 2024–2025

Q4 2024 – Q1 2025, intensive Kampagnen in:

  • Deutschland (BfN, Umweltbundesamt)
  • Niederlande (Vorreiter-Behörde)
  • Frankreich (DGCCRF bereits aktiv)
  • Italien (Prüfungen auf Amazon.it)
  • Belgien (erste Bußgelder verhängt)

Q2–Q4 2025, Ausweitung auf:

  • Skandinavien, Spanien, Polen
  • Grenzüberschreitende Verstöße (importierte Produkte mit gefälschten Bio-Angaben)

Was die Zahlen bedeuten

Falsche Claims können Bußgelder im vier- bis sechsstelligen Bereich auslösen. Dazu kommt der Reputationsschaden durch öffentliche Sanktionslisten. In schweren Fällen droht ein Marktvertriebsverbot für 6–12 Monate.

Eine vollständige Compliance-Dokumentation kostet je nach Komplexität 2.000–10.000 €. Bei einem Jahresumsatz von 1 Mio. € amortisiert sich der Aufwand durch die vermiedenen Bußgelder innerhalb weniger Wochen.

Nächster Schritt

Dokumentiere für jeden Deiner Umwelt-Claims das zugehörige Zertifikat, das Prüfdatum und die Zertifikatsnummer. Das ist der günstigste erste Schritt zur Compliance — und der, der im Fall einer Behördenanfrage am meisten zählt.

Konkrete Fehler, die Bußgelder auslösen, findest Du in 5 häufige Fehler bei Umweltclaims.


Quellen: EU 2024/825, nationale Bußgeldkataloge, erste Fälle 2024

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